Nach ersten Überlegungen soll ein Kubus in das Kirchenschiff von St. Michael eingebaut werden. Kritiker dürften sich fragen, wie stark sich dadurch das historische Innere der fast 100 Jahre alten Kirche verändern würde. Gerade an einem so markanten Ort am Echelmeyerpark wirft die Idee Fragen auf.
Das Saarländische Landesarchiv platzt nach Angaben der Landesregierung an seinem bisherigen Standort aus allen Nähten. Die Einrichtung verwahrt Dokumente, die teilweise bis ins Hohe Mittelalter zurückreichen. Neben historischen Akten stehen dort auch Katasterbücher, Notariatsurkunden und Zivilstandsregister für Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein eigenes staatliches Archiv für das Saarland. Zuvor lagen die Zuständigkeiten unter anderem bei den Archiven in Koblenz und Speyer.
Seit 1997 befindet sich das Landesarchiv in Saarbrücken-Scheidt. Dort stößt es inzwischen jedoch an seine Kapazitätsgrenzen. Die Suche nach zusätzlichen Flächen läuft daher bereits seit längerer Zeit.
Nun könnte das Archiv ausgerechnet in eines der markantesten Kirchengebäude Saarbrückens einziehen.
Wie die Staatskanzlei mitteilte, stammt die Idee nicht von der Landesregierung selbst. Vielmehr habe die katholische Gemeinde St. Johann die Kirche St. Michael am Echelmeyerpark zur Mitnutzung angeboten.
Die Überlegungen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Bekannt ist bislang aber ein entscheidendes Detail: Offenbar soll in das Kirchenschiff ein Kubus eingebaut werden, um Räume für das Archiv zu schaffen.
St. Michael wurde zwischen 1923 und 1924 nach Plänen des Architekten Hans Herkommer errichtet und am 27. September 1924 eingeweiht. Die Kirche entstand auf Initiative des damaligen Pfarrers Alois Echelmeyer, dessen Name bis heute eng mit der Kirche und dem angrenzenden Echelmeyerpark verbunden ist.
Der Bau war das Ergebnis jahrelanger Vorbereitungen. Bereits 1912 begannen konkrete Planungen. Der Erste Weltkrieg verhinderte zunächst die Umsetzung, ehe 1923 schließlich mit dem Bau begonnen werden konnte.
Im Jahr 2024 feierte die Kirche ihr 100-jähriges Bestehen.
Kirchen sind nicht einfach nur Hüllen, in die man nach Belieben Neues reinstecken kann. Sie dienen vor allem als Ort der Ruhe, des In-sich-Gehens und der Gedanken an Spirituelles oder eben Gott. Ein großer Einbau im Inneren würde zwangsläufig in die Architektur von Herkommer eingreifen, sie verfremden und den oben genannte Charakter verwässern. Es ist auch davon auszugehen, dass der Einbau dem Klangbild der berühmten Späth-Orgel nicht zuträglich sein wird. Die Raumakustik wird wahrscheinlich gestört.
Welche Auswirkungen ein solcher Kubus auf den historischen Kirchenraum hätte und was er in den Menschen macht, die diesen Ort besuchen, ist offen.
Inzwischen regt sich jedoch auch Widerstand innerhalb der Gemeinde. Bei einer Sitzung des Pfarrgemeinderats wurden Befürchtungen laut, die Kirche könne für eine Nutzung durch das Landesarchiv profaniert, also entwidmet werden. Kritiker sorgen sich zudem um die Zukunft von Gottesdiensten und um die Akustik der historischen Späth-Orgel. Pfarrer Frank Kleinjohann verteidigte die Überlegungen dagegen als mögliche „Rettung der Kirche“. Nach Angaben von Sitzungsteilnehmern verwies er darauf, dass die Pfarrei nicht alle ihre Kirchen dauerhaft finanzieren und erhalten könne.
Gerade dieser Punkt dürfte viele Menschen überraschen. Für Außenstehende war bislang kaum erkennbar, dass die Zukunft von St. Michael möglicherweise auch von finanziellen Fragen abhängt. Öffentlich stand die Kirche zuletzt vor allem wegen ihres 100-jährigen Jubiläums im Jahr 2024 und ihrer Bedeutung für das Saarbrücker Stadtbild im Fokus. Wenn die langfristige Unterhaltung des Bauwerks tatsächlich zunehmend zur Herausforderung wird, stellt sich die Frage, seit wann diese Problematik bekannt ist und wie offen darüber bislang kommuniziert wurde. Für viele dürfte zudem die grundsätzliche Frage im Raum stehen, welche Verantwortung gegenüber einem Kirchenbau besteht, dessen Entstehung von jahrelangen Planungen, den Folgen des Ersten Weltkriegs und großen Anstrengungen der damaligen Gemeinde geprägt war. Angesichts dieser Geschichte erwarten viele Menschen, dass St. Michael auch weit über ihr erstes Jahrhundert hinaus als geweihter Sakralraum erhalten bleibt.
Hinweis: Zu diesem Thema wurde inzwischen eine offizielle Stellungnahme von Dekan Dr. Frank Kleinjohann veröffentlicht. Damit sich Leserinnen und Leser ein umfassendes Bild machen können, finden Sie diese hier auf der Page der Katholische Kirchengemeinde St. Johann: Stellungnahme